Experientielle Verhaltenstherapie

Erlebensorientierte Methoden in der therapeutischen Praxis

In der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen sind wir als Begleiter, Pädagogen und Therapeuten immer wieder aufgefordert, flexibel, kreativ und gegenwärtig zu intervenieren.
Therapeutische oder beratende Konzepte, die zwar in der Theorie höchst effektiv, ergebnis- und zielorientiert sind, geraten nicht selten schnell an ihre Grenzen, weil sie die Kinder und Jugendlichen, mit denen wir zu tun haben, nicht nachhaltig erreichen.
Die Integration von Körpererleben, Alltags- und Lebensbezogenheit spielen deshalb immer wieder ebenso eine große Rolle in der Therapie wie die Offenheit, Gegenwärtigkeit und Wahrnehmungsfähigkeit des Therapeuten.

Ziel unserer erlebensorientierten Verhaltenstherapie ist, dass die Veränderungen nicht nur von außen sichtbar, sondern tatsächlich von den Kindern und Jugendlichen erlebt und gespürt werden. Der Therapeut oder Pädagoge begleite diesen Prozess der Überprüfung von Wirkungen ständig.
Durch körperorientierte Methoden und Focusing bringt der Therapeut/Pädagoge/Berater die Klienten direkt in Kontakt mit dem eigenen Erleben und eröffnet damit Beziehungsräume, die stimmige Lösungswege entstehen lassen.

Diese Weiterbildung vermittelt dazu die Schlüsselkonzepte in Theorie und Praxis sowie das therapeutische Handwerkszeug und Entwicklungsmöglichkeiten eigener Potentiale der Therapeut*innen.

Es werden in der Weiterbildung neben den erlenbensbezogenen Methoden und des Focusing auch Kompetenzen zur Anwendung der Unterstützung von Achtsamkeit und die Einübung der Haltung von Achtsamkeit gelehrt. Spezielle kreative Methoden der Spieltherapie und Theatertherapie werden vorgestellt und erprobt.

Focusing
wurde von Prof. Gendlin, einem Mitarbeiter von Carl Rogers, entwickelt.
Innerhalb dieses Konzeptes hat er den klientzentrierten Ansatz erweitert, indem er Körper und Erlebensprozesse im Rahmen seines Focusingansatzes integrierte.
Gendlin entdeckte im Rahmen seiner Psychotherapieforschung in den 60er Jahren, dass der Erfolg einer Psychotherapie weder von der methodischen Richtung noch von dem Inhalt des Gespräches abhängt, sondern vielmehr davon, wie ein Klient über sich spricht.
Dieses „wie“ beschrieb Gendlin folgendermaßen:
"Für die erfolgreiche Lösung persönlicher Probleme ist es erforderlich, die Aufmerksamkeit beim Denken und Sprechen über ein Thema unmittelbar auf das eigene Erleben zu richten."
Es stellte sich heraus, dass dieses Hinhorchen auf die eigene körperliche Befindlichkeit und das behutsame Begleiten des inneren Erlebens zu einer deutlich spürbaren Veränderung führt. Nachdem Gendlin festgestellt hat, dass sich die Klienten in Bezug auf diese Fähigkeit schon in den ersten zwei Therapiestunden deutlich voneinander unterscheiden, arbeitete er in den folgenden Jahren daran, den Prozess, den Weg hin zu dieser Erlebnisqualität (erlebensorientierte und experientielle Therapie) so genau zu analysieren und zu beschreiben, dass er lehr- und lernbar wird. So entstand des Konzept des Focusing.
Focusing im therapeutischen Prozess ermöglicht den Klient*innen, in eine vertiefte Beziehung mit sich selbst zu treten, auf sich selbst zu hören, den Kontakt zwischen Denken und Fühlen herzustellen, sich auf die unbewusste/vorbewusste Seite des Erlebens als eine körperlich gefühlte Qualität (gefühlte Bedeutung, "felt sense“) direkt zu beziehen. So kann er deutlicher das Gefühl für "richtig" und "falsch" entwickeln und ernstnehmen. Im Umgang mit belastenden Alltagssituationen sowie als Begleitmethode, um andere Menschen in ihrem Prozess der Selbstauseinandersetzung konstruktiv zu begleiten, ist sie auch für die Elternarbeit eine effektive Methode. Verhaltenstherapeutische Interventionen erhalten hierdurch eine vertiefte und erweiterte Qualität.
Focusing beinhaltet "nach innen gerichtete körperliche Aufmerksamkeit":
Focusing regt dazu an, den Körper von innen her zu spüren, dem Spüren Raum zu geben, dem Körper Fragen zu stellen. Auf die Antworten des Körpers zu horchen kann seelische Prozesse und Blockaden bewusst machen.
Ziel dieser Weiterbildung ist das Erlernen der grundständigen Methodik des Focusing unter Einbeziehung verschiedener körperorientierter, psychotherapeutisch relevanter Interventionsmöglichkeiten wie de Achtsamkeitstrainings, verschiedener Entspannungsmethoden und körperorientierter Imaginationstechniken.
Achtsamkeit als angewandte Methodik in der Psychotherapie wird in VT-Konzepten (Linehan) bei strukturschwachen Patienten oder in anderen Konzepten (Reddemann) bei Patienten mit Traumafolgestörungen eingesetzt.
Nachweise von Veränderungen in den synaptischen Verknüpfungen zeigen die Effektivität dieser Anleitungen und Übungen.

Theorie und Praxis eines Achtsamkeitstrainings werden in der Ausbildung vermittelt.

Veranstalter:

OAP - Offenburger Akademie für Psychotherapie
Okenstraße 22
77652 Offenburg

Grundstufe 80 Punkte
Aufbaustufe 80 Punkte

Zielgruppe:

Kosten: 2800,- €uro

Weiterbildungscurriculum:

160 Stunden Unterricht mit Dozenten;
40 Stunden dokumentierte Praxisübungen, wobei 20 Stunden in Kleingruppen zur Einübung und Reflektion der Methoden dienen und 20 Stunden dokumentierte Fälle zur Einübung der Anleitungen sind.

Inhalte

1. Grundlagen (13 Stunden)

Theoretische Grundlagen der Erlebensorientierten Verhaltenstherapie werden vermittelt, die einzelnen Interventionsschritte werden dargestellt und einzeln erlebbar gemacht.
Kenntnisse und Erfahrungen in der Focusinggrundhaltung werden erarbeitet:

2. Grundhaltungen experientieller Therapie (13 Stunden)

„Experiential listening“ (absolutes Zuhören).
Der Schwerpunkt liegt auf dem nicht eingreifenden Eingehen auf das Erleben des Focusierenden. Das klientenzentrierte Beziehungsangebot wird dargestellt und die Techniken und die Haltung des zuhörenden Begleitens im Therapieprozess werden geübt. Akzeptanz, Empathie und Kongruenz werden ergänzt durch spezifische Zuhörmethoden. Nach dem Vermitteln dieser Workshop-Inhalte sollen Gespräche gemäß den erlernten Inhalten und Haltungen außerhalb der Gruppe geführt und in der anschließenden Supervision vorgestellt werden.
Übungen der Körperwahrnehmung, der Gegenwärtigkeit und kreative Möglichkeiten der Anwendung im Kinder- und Jugendbereich erhalten gesondertes Augenmerk.

3. Einübung der Methoden mit besonderem Augenmerk auf das Erleben der Therapeut*innen als Interaktionspartner im Therapieprozess – Förderung von Resilienz, Wahrnehmung eigener Störungen in der Beziehung zum/zur Klienten/in (13 Stunden)

Anleitung, Begleitung und Supervision einer Sitzungsserie. Weiterentwicklung der methodischen Kenntnisse wie auch des eigenen Prozesses in der Focusingselbsterfahrung. Methodisch werden jetzt Begleitungen von längeren Focusingprozessen geübt und den Begleiter*innen mehrfach Coaching und Supervision angeboten. Partnerschaften unter den Teilnehmer*innen sollen sich konstituieren. Im Rahmen der Selbsterfahrung geht es darum, das Vertrautwerden weiter auszufalten und die eigenen bevorzugten, strukturgebundenen Erlebens- und Handlungsweisen zu erkennen.
Im interaktiven Therapieprozess geht es um Anwendung des Focusingkonzeptes zwischen zwei und mehreren Personen. Die Aufmerksamkeit wird speziell auf die Interaktion gerichtet. In diesem Workshop richten wir die Aufmerksamkeit sowohl zum einzelnen Klienten als auch ggf. zu einer Begleitperson. Einübung der Methoden bei Elterngesprächen.
Möglichkeiten der körperorientierten Arbeit in Gruppen werden aufgezeigt.

4. Aktive Gestaltung der inneren und äußeren Beziehung (13 Stunden)

Guiding.
Interventionen zur Unterstützung der Selbstklärungsprozesse der Klient*innen.
Schwerpunkt dieses Lehrabschnitts ist das erlebensorientierte führende Begleiten im Therapieprozess. Erlernt werden die Fähigkeiten, zu einem körperlichen Spüren ("Felt Sense") hinzuführen, in dieser Befindlichkeit zu verweilen und entstehende Symbolisierungen zur Entfaltung und Würdigung zu verhelfen.
6 Schritte des begleitenden Prozesses werden vermittelt.
Im Anschluss an den Workshop sollen Gespräche gemäß den erlernten Inhalten und Haltungen außerhalb der Gruppe geführt und in der anschließenden Supervision vorgeführt werden.

5. Erlebensbezogene Methodik, z. B. Theatertherapie (13 Stunden)

6. Umgang mit Blockaden (13 Stunden)

Umgang mit strukturbezogenem Erleben.
Es werden zunächst verschiedene Möglichkeiten eingeführt, um einen guten inneren Abstand zu Problemen zu gewinnen. Diese Techniken des "Inneren Freiraum schaffen" werden auf die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen im Besonderen übertragen. Der Umgang mit dem inneren „Kritiker“ und die Kultivierung von
"wertschätzendem und selbstbewusstem Umgang" mit sich selbst bildet den zweiten Schwerpunkt dieses Workshops.

7. Supervisionsseminar (13 Stunden)

8. Achtsamkeitsbasierte Methodik in Anlehnung an die Akzeptanz- und Commitmenttherapie (13 Stunden)

9. Achtsamkeitsbasierte Methodik und körperorientierte Methoden (13 Stunden)

Hier wird der besondere Schwerpunkt auf die Arbeit mit traumatisierten und persönlichkeitsgestörten Patient*innen gelegt.
Übungen zur Selbstakzeptanz und Selbstfürsorge dienen der Psychohygiene und Präsenz der Therapeut*innen und der Kompetenz zur Anleitung im therapeutischen Prozess.

10. Erlebensorientierte Methodik in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen (13 Stunden)

11. Supervision, Psychohygiene, ethische Grundlagen (13 Stunden)

12. Prozessreflektion und Präsentation, Integration und Prüfung (17 Stunden)

Der eigentliche Therapieprozess besteht darin, dass die einzelnen Erlebensbereiche (Quadranten) durchgearbeitet werden. Focusingbasierte, erlebensorientierte und achtsamkeitsbasierte Interventionen sind hierbei die Methoden, die direkt in das therapeutische Geschehen integriert werden können. Die einzelnen Übungen, die in den jeweiligen Quadranten angeboten werden, sind sehr vielfältig und erfordern beim Therapeuten ein hohes Maß an Kompetenz, sowohl in fachlicher als auch in persönlicher Hinsicht der Qualifikation. So kann es sein, dass im körperlichen Quadranten spezifische Übungen aus der Physiotherapie oder aus anderen körperorientierten Verfahren ihren Einlass finden.
Die Teilnehmer*innen beginnen mit ihrem Wissen aufgrund ihres eigenen Entwicklungsstandes mit der Arbeit am Klienten. Die Teilnehmer*innen haben die Aufgabe, sich mindestens eine/n Klienten/in zu suchen, mit der sie unter Supervision therapeutisch arbeiten. Für die Zertifizierung sind 3 Falldokumentationen schriftlich einzureichen.

Die gesamte Weiterbildung beinhaltet 12 Wochenenden (13/17 Unterrichtsstunden) innerhalb von 2 Jahren.

Die Veranstaltung ist von der PTK Baden-Würrtemberg akkreditiert. Pro Wochenende können 17 Punkte erreicht werden.

Es ist möglich, auch einzelne Veranstaltungen zu buchen.

Wirksamkeitsstudien und Literatur

zu den vermittelten Ansätzen der experientiellen Psychotherapie, der focusingbasierten Psychotherapie und
der achtsamkeitsbasierten Therapie als Grundlage der
Erlebens- und Verhaltenstherapie.

Feuerstein, Heinz-Joachim, Müller, Dieter: Focusing im Prozess , (2000)

Grossman, Paul: Üben von Achtsamkeit: Eine einzigartige klinische intervention für die Verhaltenswissenschaften,
Vortrag in der Universität Basel

Grossman, Paul: On measuring mindfulness in psychosomatic and psychological research. Journal of psychosomatic research, 37, pp 35-43, (2008)

Hendricks, M: Focusing Oriented/Experiential Psychotherapy Research in D. Cain and J. Seeman Humanistic Psychotherapy, Handbook of Research an Practice, Washington DC.

Hölzel et.al.:
Perspectives on Psychological Science

Hofmann et al.:
Hofmann SG, Sawyer AT: The effect of mindfulness-based therapy on anxienty and depression, Journal of Consulting and Clinical Psychology, 78: 169-183

Kabat-Zinn, J.: Mindfulness-based interventions in context. Past, present, and future Clinical Psychology: Science and Practice, 10, 144-156

Hüther, G.: Bedienungsanleitung für ein menschliches Gehirn, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen (2001)

Kabat-Zinn, J.: Gesund durch Meditation, Kindle-Verlag (2010)

Linehan, Marsha: Dialektisch-Behaviorale Therapie der Borderline-Persönlichkeitsstörung. CIP-Medien ISBN 3980307484

Madison, Greg: Emerging Practice in Focusing-Oriented Psychotherapy: Innovative Theory and Applications, (2014)

Madison, Greg: Focusing on Existence: Five facets of an eperiential-existential model. Personal-Centred and Experiential Psychotherapies Vol 9 (3): 189-204, (2010)

Ott, U.: Psychophysiologie veränderter
Bewusstseinszustände - Studien mit funktioneller Magnetresonanztomographie, (2012)

In Ambach, W. (Hrsg): Experimentelle Psychophysiologie in Grenzgebieten (pp79-95)

Ott, U, Hölzel, B, Gard, T, Hempel ea.: Investigation of mindfulness meditation practitioners with voxel-based morphometry,
Social Cognitive and Affective Neuroscience 3(1), 55-61, (2008)

Reddemann, L.: Achtsamkeit in der Behandlung von persönlichkeitsgestörten und traumatisierten PatientInnen
(Vortrag Lindauer Psychotherapietage 2010, www.Lptw.de)

Sachse, Rainer: Concrete Interventions are Crucial: The Influence of the Therapist's Processing Proposal on the Client's Interpersonal Exploration in Client-Centered-Therapie, Ruhr Universität Bochum

Sachse, R. u. Neumann, W.. Prognostische Indikation zum Focusing auf Grund von Klienten-Prozess-Erfahrungen in Klientenzentrierter Psychotherapie, Bochumer Berichte zur Psychotherapie, Nr. 2

Sachse, Rainer und Sachse, Maike: Klärungsorientierte Psychotherapie: Empirische Ergebnisse und Schlussfolgerungen für die Praxis

Sachse, R.: Klärungsorientierte Psychotherapie, (2003)

Sachse, R., Püschel, O., Fassbender, J.: Klärungsorientierte Schematherapie, Göttingen (2008)

Schley, Kurt: Experientielle Reittherapie: Ein erlebnisorientiertes Lehr- und Arbeitsbuch, (2009)

Ellison-Cole Louanne: Focusing with Adolescents (Diss.)

Storch, B., Cantieni, W., Tschacher, W. und Hüther, G.: Embodiment. Huber (2004)

Stapert, Marta, Verliefde, Erik: Focusing with children PCCS Books (2010)

Weiser Cornell, Ann: Presence - A Guide to Transforming Your Most Challenging Emotions, Berkeley (2015)

Wengenroth; M.: Akzeptanz- und Commitmenttherapie, Basel (2012)

Dozenten:

Prof. Feuerstein, Heinz-Joachim:
Diplom-Psychologe, Psychologischer Psychotherapeut, Ausbilder für Klientenzentrierte Gesprächsführung, Klientzentrierte Psychotherapie und Supervision (GwG); Trainer und zertifizierungsberechtigter Koordinator am International Focusing Institute New York

Prof. Dr. h. c. (UIPA) Schley, Kurt:
Diplom-Sozialarbeiter (FH); Approbierter Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut, Ausbilder DFG für Focusing, Gesprächsführung und Supervision, Reittherapie, Supervisor DFG, Reittherapeut DFG

Dr. phil. Balkhausen, Diana:
Diplom-Pädagogin, Eutonietherapeutin, Psychotherapie (HPG), Körperpsychotherapie, Achtsamkeitstrainerin im klinischen Kontext, Systemische Traumatherapeutin, Approbierte Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin (VT)

Die nächste Weiterbildung beginnt im Frühjahr 2019.
Bei Interesse bitte melden unter oap@posteo.de.
Wir laden Sie dann zu einem Informationsgespräch ein.

Offenburger Akademie
für Psychotherapie

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